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Interview Sina Araya– musepaper: Close-up von Frau in nachdenklicher Pose
Foto: privat

„Ich habe keine Lust, die wütende Schwarze 
Frau zu sein“: Wie Sina Araya versucht echte Diversität in die Marketing Branche zu bringeN

Rassismus. Immer wieder müssen wir auf schmerzlichste Art und Weise lernen, dass Rassismus ganz und gar nicht verschwunden oder etwa ein Problem von Randgesellschaften ist, sondern strukturell und gesellschaftlich nach wie vor verankert ist.

Weltweit erfahren Menschen Alltagsrassismus, haben Angst, sind wütend, fühlen sich alleine. Aber warum etwas ändern, oder hinterfragen, wenn es doch immer schon so war? musepaper, für diesen Namen habe ich mich entschieden, weil ich Frauen feiern möchte. Egal, welche Kleidergröße sie tragen, welche Hautfarbe sie haben oder wen sie lieben. Es geht darum, Geschichten von genau diesen vielfältigen Frauen zu erzählen. 

Die Brand Margot x Martha und das musepaper sollen Raum schaffen, für echte Geschichte und für echte Diversität und die fängt auch im eigenen Freundeskreis an. Ich persönlich würde es als anmaßend und überheblich empfinden, als weiße Frau von all dem zu erzählen, weshalb ich mich umso mehr freue, dass ihr euch demnächst über die Kolumne melanin muse von einer meiner persönlichen muses, Sina Araya, freuen dürft.

Los geht’s heute mit einem Interview. Liebe Sina, ich freue mich auf jede einzelne deiner Geschichten.

Das Intro sagt es schon, du bist eine meiner persönlichen Musen. Würdest du dich selber auch als starke Schwarze Frau bezeichnen?

Mmh, ja. Würde ich schon. Ich würde mich schon als starke Frau bezeichnen. Starke Schwarze Frau klingt noch stolzer. Das kann ich schon unterschreiben. In meiner Jugend war ich wahrscheinlich nicht die starke Frau. Da haben mich eher Unsicherheiten umgetrieben. Ich habe viele Sachen einfach nicht angesprochen. Aber mit den Jahren und dem Älterwerden wird man selbstbewusster, auch in seiner Persönlichkeit. Und jetzt stehe ich für mich ein.

Imposter Syndrome – musepaper:Frauen demonstrieren auf der Straße
Foto: unknown

Durch den Tod von George Floyd und die BLM Bewegung hat das Thema Rassismus (endlich, muss man sagen) neue Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft gefunden – wie hast du diese Zeit erlebt und würdest du den Effekt als nachhaltig bezeichnen?

Wir wissen alle, George Floyd ist nicht der erste Schwarze Mann, der von einem Polizisten in Amerika umgebracht wurde. Es gibt einfach zu viele, die durch Polizeibrutalität ums Leben gekommen sind und die Proteste schon viel früher hätten stattfinden müssen.

Ich glaube, es hat während der Pandemie einen Nerv getroffen und niemand konnte durch Lockdown und Co. mehr wegschauen. Außerdem hat es bei vielen Schwarzen zu einem Boiling-Point geführt, an dem viele gesagt haben: Wir können nicht mehr, es ist genug.

Die Debatte um Rassismus gibt es schon lange. Aber sie hat vorher nie Gehör gefunden. Viele Weiße sind sich ihrer eigenen Privilegien einfach nicht bewusst. Sie sind Teil einer Mehrheitsgesellschaft und profitieren von einem System, das sie bzw. ihre Vorfahren mit aufgebaut haben.

Mich hat George Floyd berührt. Mich hat aber auch Brianna Taylor berührt.

Irgendwie schwingt bei dem Ganzen auch das Thema Authentizität mit. Viele Weiße sind bei den Protesten mitgelaufen – hätten dies aber auch schon früher machen können. Wie hast du das empfunden?

Es gibt viele Weiße, die von Herzen Allies seien wollen. Sie lesen Bücher und setzen sich bewusst mit der Kolonialgeschichte, auch der Europas, auseinander und wie sich diese auf unsere heutige Gesellschaft auswirkt. Und bilden auch andere Weiße in ihrem Umfeld. Denn eine Sache möchte ich dazu sagen: Ich als Schwarze habe nicht die Aufgabe, Weiße über das Thema aufzuklären. Ich kann dir gerne Bücher empfehlen, aber die Arbeit musst du selber machen.

Und dann gab es aber leider auch die andere Gruppe, das hat man am Black-out-Tuseday gesehen, die daran rein performativ teilgenommen hat. Nach dem Motto: „Hey, ich war auch auf den Protesten und jetzt gehen wir was trinken.“ Auch die Leute, die das schwarze Square gepostet haben. Ist ja schön, aber was passiert danach? Dein Feed und deine Denkweise kann nicht so weiterlaufen, wie vorher. Das betrifft vor allem auch viele Marken.

Wie nachhaltig hast du die Bewegung wahrgenommen?

Ich glaube für Menschen, die davon betroffen sind, ist es immer relevant. Ich erwarte nicht, dass jede weiße Person jeden Tag etwas zu Black Lives Matter oder Stop Asian Hate postet. Aber wenn du diesen einen Post postest, dann direkt zum vorherigen Status Quo zurückgehst und nicht einmal deine eigene Rolle im System hinterfragst, dann ist das ist nachhaltig.

Insbesondere im Markenumfeld. Es sind so viele Skandale zum Thema toxisch-rassistische Firmenpolitik einiger Marken aufgedeckt worden. Gleiches gilt für das Casting von Models. Du kannst nicht eine Asiatin oder Schwarze Frau hinstellen und davon ausgehen, dass sie ganze Kontinente repräsentieren bzw. damit ist dann genug diversity geschaffen. Da fehlt leider noch die Nachhaltigkeit, die Art der Kommunikation zu verändern.

Interview Sina Araya– musepaper: vier Frauen lehnen aneinander, Kopf an Schulter
Foto: Anthony Shkraba

Du beschäftigst dich beruflich mit dem Thema diverse marketing – warum?

Auf das Thema an sich bin ich schon weit vor den Protesten gekommen. Denn ich sehe es als meine Aufgabe, mich im Bereich PR/Marketing damit auseinanderzusetzen, eben weil wir in der Werbebranche unterrepräsentiert sind. In vielen Kampagnen wird die Welt nicht dargestellt, wie sie wirklich aussieht.

Das kommt, weil weder auf Agentur- noch auf Kundenseite Menschen sitzen, die so aussehen wie ich oder einen anderen Background haben. Die Agenturszene ist immer noch größtenteils weiß. Wir wissen in vielen Fällen besser, wie diese Zielgruppe erreicht werden kann, weil wir die Zielgruppe sind.

Was bedeutet diverse marketing für dich und warum ist es so wichtig?

Marketing muss diverser werden. Aktuell ist es immer noch sehr weiß-zentrisch. Ich glaube, man muss an der Basis anfangen: beim Team des Unternehmens – wir brauchen diverse Teams. Nur so können wir überhaupt Kampagnen produzieren, die die Breite der Gesellschaft abbildet und im Endeffekt auch erreicht. Auf Kundenseite finde ich es wichtig, sich selbst zu hinterfragen: Welche Gruppen kaufen uns? Und warum kaufen uns bestimmte Gruppen vielleicht auch nicht?

Wir öffnen mit diverse marketing einen Raum, der nicht nur Leute über ihre Ethnie inkludiert, sondern auch die durch ihre Sexualität, eine Behinderung oder beispielsweise auch durch ihre Körperform ausgeschlossen werden. Diverse marketing ist nicht nur Hautfarbe, sondern es geht darum, ALLE abzuholen. Nur so können wir jeden erreichen.

Es geht nicht darum, eine Kampagne zu konzipieren, sondern ein langfristiges Konzept zu erarbeiten. Und dann wird es irgendwann normal und Teil des Marketings. Und irgendwann hoffentlich auch Teil des Systems. Marken müssen ein Commitment machen und mutig sein. Es geht darum, den unbequemeren Weg zu gehen und sich von alten Mustern zu lösen.

Interview Sina Araya– musepaper: zwei Hände greifen nacheinander
Foto: Ann Shvets

Du hast einmal gesagt, es reiche nicht mehr aus „nicht rassistisch“ zu sein, sondern man muss „anti-rassistisch“ sein – was meinst du damit und wie geht das eigentlich?

Diese Aussage kommt leider nicht von mir, sondern wurde von vielen Aktivistinnen immer wieder gefordert. Es gibt bewussten und unbewussten Rassismus in der Gesellschaft.

Du sagst Dinge, meinst sie vielleicht nicht so, und trotzdem sind sie rassistisch. Du musst aktiv den Mund aufmachen, wenn du in deinem Umfeld etwas mitbekommst und nicht schweigen. Aktiv für das Thema sensibilisieren.

Aktiv als Allie einstehen. Es geht darum, aus einer passiven Rolle herauszukommen. Jeder der in der privilegierten Lage ist weiß zu sein, muss den Mund aufmachen.

Ich finde als Unternehmer:in hat man eine gesellschaftliche Verantwortung und wer gutes und ehrliches Marketing machen will, pfeift auf Rainbow-Washing und Co.

Sinas Kolumne findet ihr bald und exklusiv hier im musepaper.

xx, Kimberley

Kimberley
Kimberley

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