Lotte Hauss: Portrait von Frau vor Gemälde
Foto: AnniJonsson_Photography

Künstlerin lotte hauss über DAS
"GEFÜHL FÜRS ZUHAUSE"

In einer ganz normalen Einwohnerstraße mitten in Hamburg, Winterhude verbirgt sich ein echter Lebens(t)raum, den sich viele von uns nur wünschen können. Und genau hier lebt, liebt und arbeitet die freischaffende Künstlerin Lotte Hauss.Das Verständnis für emphatisches, konzeptionelles Wohnen zieht sich wie ein roter Faden nicht nur durch die Arbeit der Hamburgerin, sondern auch durch ihr privates Reich:

Das kleine, aber feine Atelier befindet sich direkt mit im Haus, die Eltern wohnen nur wenige Schritte entfernt auf der anderen Seite des Innenhofes. Ruhe, Schönheit und Zeitlosigkeit – so begreift die Mutter eines Sohns ihre Kunst. Neugierig geworden?

Lotte Haus: Frau mit Farbpalette und Pinsel in der Hand
Foto: Mirjam Fruscella

Liebe Lotte, warum hast du dich für die Kunst entschieden?

Kunst macht alles besser! Kunst war schon als Kind die einzige Option für mich. Ich hatte natürlich das Riesenglück in einem Umfeld aufzuwachsen, das mich darin unterstützt hat. Das Zeichnen war immer meine Art die Welt um mich herum zu begreifen.

Ich war völlig fasziniert von den Surrealisten wie Max Ernst, die sich intensiv mit Träumen beschäftigt haben. Meine Leidenschaft zum Beruf zu machen war immer mein Weg, auch wenn er zeitweise sehr steinig war. Ich höre dem Nachthimmel zu, ich male was nicht in Worten, sondern in Stille gesagt werden kann.

Diese Stimmung geht von meinen Bildern aus und ist mein Beitrag zur Schönheit des Lebens.

Bei MxM ist Fempower an der Tagesordnung, auf der anderen Seite dreht sich aber auch viel um Bewusstsein im weitesten Sinn - wie gehst du mit dem Thema Consciousness um?

Für mich sind die letzten zwei Jahre wahnsinnig spannend gewesen. Es tut sich so viel was das Bewusstsein betrifft. Wie wollen wir leben? Wie gehen wir mit der Natur um? Wie schaffen wir neue Role Models für Frauen+, die keine Lust mehr auf die alten Entweder-Oder-Klischees haben?

Das sind zentrale Fragen die mich beschäftigen. Für mich ist das künstlerische Schaffen immer ein Fels in der Brandung. Den Ansprüchen von außen, immer schneller, perfekter und wettbewerbsorientierter zu werden, setze ich beim Arbeiten aufmerksames Beobachten, Stille und Subtilität entgegen.

Das setzt voraus, dass man die unbewussten und offensichtliche Zwänge, unter denen man steht, wahrnehmen und einordnen kann, um sich davon zu lösen. Der Prozess des Malens hat Bedeutung. Die Tiefe, das Zeitlose und die Schönheit verbreiten sich als spürbare Präsenz im Raum.

Wenn ich Bilder speziell nach Kundenwünschen anfertige und mein Gespür für Orte, Stimmungen und Farben mit einfließen lasse, ist das neben dem Visuellen immer auch ein psychologischer Prozess.

Du sprichst von einem „Gefühl fürs Zuhause“ - was genau meinst du damit und welche Rolle spielt Kunst in diesem Zusammenhang für dich?

Es ist Zeit für etwas Echtes! Gerade im letzten Jahr, in dem die Menschen viel mehr Zeit Zuhause verbringen und dieser Ort völlig unterschiedliche Funktionen erfüllen muss, merke ich wie wichtig es ist, sich mit Dingen zu umgeben die einen glücklich machen. Mein Atelier befindet sich Zuhause, sozusagen zwischen Wohnzimmer und der Oase eines Innenhofes.

Mein Sohn zeichnet bei mir im Atelier, der Hund kommt zu Besuch, ich mach eine Kaffeepause mit meinem Vater der nebenan sein Tonstudio hat. Für mich ist genau das das größte Glück, diese Symbiose aus Leben und Arbeiten. Mit dem gestiegenen Bewusstsein für gute Lebensmittel und achtsamen Konsum ist auch das Bedürfnis nach handgemachten, nicht industriell hergestellten Objekten gestiegen und somit auch die Erkenntnis gewachsen, dass ein Kunstwerk im Gegensatz zu einem gerahmten Poster aus dem Möbelhaus ein völlig anderes Statement ist, das dieses Lebensgefühl widerspiegelt.

Die Inspiration für meine Bilder kommen aus ganz verschiedenen Sphären wie Altmeisterlicher Malerei, popkulturellen Einflüssen, Mystik, Musik und Naturbeobachtungen. Das ist oft nicht offensichtlich, aber ich glaube, dass man sich eine Art Gedankenfreiraum schafft, wenn man ein Kunstwerk das einen anspricht häufig betrachtet. Es ist neuerdings sogar neurologisch erwiesen, dass es die Synapsenverbindungen verändert, wenn wir häufig für uns schöne Dinge betrachten.

Unser Magazin heißt musepaper, unsere Kundinnen nennen wir Musen – klar, dass wir eine waschechte Künstlerin nach den Musen in ihrem Leben fragen müssen?!

Da kommen mir drei völlig verschiedene Frauen in den Sinn. Als erstes die großartige Punk Musikerin Patti Smith, die immer radikal ihrer künstlerischen Vision gefolgt ist.

Dann meine Großmutter, von der ich gelernt habe das in den oft als unwichtig abgetanen „typisch weiblichen“ Tätigkeiten wie Backen, Sticken, Gärtnern eine schöpferische Kraft und ein großes Zelebrieren der Schönheit des Lebens steckt.

Und zuletzt Alice im Wunderland, die sich immer neugierig, nie verzagt, dem manchmal verrückten Flow der Dinge anpasst und sich dabei nicht verliert.

Lotte Hauss: Ein Bild steht auf einer Kommode vor einer Wand
Lotte Hauss: Ein Bild steht auf einer Kommode vor einer Wand

Artist, Working Mum und große Schwester*: Du bist in vielerlei Hinsicht eine starke Frau. Wie wichtig ist dir weibliche Stärke in deinem Leben und deinem Umfeld und beeinflusst sie vielleicht sogar deine Kunst?

Für mich war, wie für viele Frauen die Geburt meines Kindes ein verändernder Moment. In diesem Zustand in dem man sich zwischen Leben und Tod befindet und sich dem Kosmos überantwortet, habe ich begriffen, dass es eine Illusion ist alles unter Kontrolle zu haben.

Diese Lebenshaltung, Impulse zu geben, sein Ziel zu verfolgen und dann loszulassen und mit dem Flow zu gehen beeinflusst mich beim Malen und als Frau sehr. Ich denke dass die weibliche Stärke gerade nochmal einen großen Sprung in ihrer Sichtbarkeit gemacht hat. Frauen haben es satt, sich an männliche Normen anzupassen, sei es beim Aussehen, in Ihrer gesellschaftlichen Rolle oder dem aggressiven Wettbewerbs-Habitus im beruflichen Kontext.

Das finde ich sehr inspirierend! Viele Frauen in meinem Umfeld beschäftigen sich gerade damit herauszufinden wo ihre Stärken liegen – und das zu diesen Stärken eben auch Verletzlichkeit zulassen, Geduld haben oder empathisch Handeln zählen können.

*mit Schwester Paula, Selfcare und Empowerment Coach, haben wir ebenfalls ein Interview geführt.

Lottes Arbeit und ihre inspirierende Sicht auf die Welt könnt ihr auf ihrer Website bestaunen. Und als kleines Goodie hat sie auf unserem Instagram Channel noch ein tolles DIY für euch vorbereitet. Viel Spaß beim Nachmachen und danke liebe Lotte!

Die Redaktion
Die Redaktion

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